NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 66/17 | 14. JUNI 2017

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Agrar/EU/Umwelt

NABU: Endlich Schluss mit Glyphosat & Co. auf ökologischen Vorrangflächen

EU-Abgeordnete stimmen für Pestizid-Verbot

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Straßburg – Der NABU begrüßt den heutigen Beschluss des Europäischen Parlaments für ein Verbot von Pestiziden auf ökologischen Vorrangflächen ab Januar 2018. EU-Agrarkommissar Phil Hogan hatte einen entsprechenden Vorschlag für ein Pestizidverbot auf diesen Flächen gemacht, um dem Artenverlust in der Landwirtschaft entgegenzuwirken. Die Abgeordneten stimmten knapp gegen den Beschluss des EU-Agrarausschusses und die Resolution des deutschen EP-Abgeordneten Albert Deß (CSU) und des Briten John Stuart Agnew (UKIP). Beide hatten sich zuvor im Agrarausschuss gegen den Vorschlag der EU-Kommission und somit gegen das Pestizidverbot auf ökologischen Vorrangflächen stark gemacht.

 

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Glyphosat und Co. haben auf diesen Flächen nichts zu suchen. Das ist ein längst überfälliger erster Schritt in die richtige Richtung. Die EU-Parlamentarier haben ein wichtiges Signal gesetzt. Bis zu einer grundlegenden Reform der EU-Agrarpolitik und einer wirklichen Trendwende, um die erschreckenden Verluste der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft aufzuhalten, ist es trotzdem noch ein weiter Weg. Wir brauchen mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft mit blütenreichen Wiesen und Säumen, Brachflächen, Sträuchern und Hecken, wo Insekten und Feldvögel Lebensräume finden.“

 

Damit Landwirte die Direktzahlungen aus der ersten Säule der EU-Agrarpolitik (GAP) erhalten, müssen sie sicherstellen, dass fünf Prozent ihrer Fläche als ökologische Vorrangflächen genutzt werden. Diese Flächen konnten jedoch, wie alle wissenschaftlichen Untersuchungen belegen, bis heute keinen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt in Agrarlandschaften leisten – nicht zuletzt aufgrund des bislang erlaubten Einsatzes von Pestiziden. Bisher fließen jährlich gut zwölf Milliarden Euro an Direktzahlungen unter anderem für die ökologischen Vorrangflächen an die Landwirte in der EU. Insgesamt beträgt das EU-Agrarbudget 60 Milliarden Euro pro Jahr.

 

Das Abstimmungsergebnis zeigt, dass die Wünsche der Bürger nach einer umfassenden Reform der EU-Agrarpolitik erste kleine Früchte tragen. Innerhalb von nur einer Woche waren über 9.000 Menschen dem Aufruf des NABU gefolgt und hatten Protest-E-Mails an einflussreiche EU-Abgeordnete verschickt.

 

Mehr Infos: www.NABU.de/Pestizidprotest

Kostenfreie Pressebilder: www.NABU.de/pressebilder_glyphosat und www.NABU.de/pressebilder_feldvoegel

 

LivingLand“-Kampagne des NABU für eine naturverträgliche Landwirtschaft: www.livingland.de

 

 

Für Rückfragen:

Angelika Lischka, NABU-Agrarexpertin, Tel. +49 (0)30.284984-1627, E-Mail: Angelika.Lischka@NABU.de 

 

 

NABU HESSEN-PRESSEMITTEILUNG  |  NR 20/17  |  13. JUNI 2017

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Naturschutz / Wolf

 

Wolf streift durch Mittelhessen

NABU: Neue bestätigte Wolfssichtung bei Biebertal

 

Wetzlar – Was erst nur eine Mutmaßung war, wird nun zur Gewissheit: Am 31. Mai streifte ein Wolf durch Mittelhessen. „Das Wolfsbüro LUPUS hat nun bestätigt, dass es sich bei dem von zwei aufmerksamen Naturfreunden oberhalb von Hof Haina in Richtung Waldgirmes fotografierten Tier um einen Wolf handelt“, freut sich Inge Till von der NABU-Landesarbeitsgruppe (LAG) Wolf. Der erneute Wolfsnachweis zeige, dass Hessen bereits ein Wolfsland sei. „Nachdem in der letzten Zeit öfter Wolfssichtungen im Sieger- und Sauerland gemeldet wurden, lag die Vermutung nahe, dass in diesem Jahr auch in Hessen wieder ein Wolf auftaucht“, so Till.

 

Um die Akzeptanz für die Rückkehr von Wölfen zu fördern, unterstützt die NABU-LAG Wolf interessierte Nutztierhalter mit dem Projekt „Schnelle Eingreiftruppe Herdenschutz“ dabei, sich auf die Rückkehr des grauen Beutegreifers vorzubereiten. Damit leisten die NABU-Aktiven auch einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Wolfs-Managementplans der Landesregierung. Im Rahmen des Projektes werden ehrenamtliche Helfer ausgebildet, die Nutztierhalter beim Aufbau von Herdenschutzzäunen in Wolfsregionen unterstützen können. Die Beweidung mit Schafen und Rindern dient häufig dem Erhalt wertvoller Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Ziel der Naturschützer ist es, möglichen Wolfsübergriffen auf Nutztierherden vorzubeugen.

 

Der NABU Hessen rät dazu, bei möglichen Wolfssichtungen besonnen zu reagieren. „Wie bei anderen großen Wildtieren gilt auch beim Wolf: Abstand halten, nicht darauf zugehen und nicht bedrängen“, erklärt Wolfsexpertin Till. Damit die Tiere ihren Respekt vor dem Mensch behalten, dürften sie auf keinen Fall gefüttert werden. Auch eine indirekte Fütterung durch das unachtsame Lagern von Speiseresten und Tierfutter könne Wölfe anlocken und an den Menschen gewöhnen. „Wer Wölfe füttert, hilft nicht, sondern schadet ihnen“, so Till. Wenn man zu Fuß oder auf dem Fahrrad einem Wolf begegnet, sollte man ruhig bleiben und sich langsam zurückziehen. Falls der Wolf doch einmal folgt, gilt: gelassen und ohne Angst weitergehen. Nur wenn sich ein Wolf neugierig weiter annähert, empfiehlt es sich, stehenzubleiben, laut zu rufen und in die Hände zu klatschen, um ihn zu vertreiben. „Die Chance, einem Wolf zu begegnen, ist allerdings sehr gering“, erklärt Till. Umso mehr freue sich der NABU über die neue Wolfssichtung in Hessen.

 

Für Rückfragen

Inge Till

NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf

Tel.: 06441-2093384

Mobil: 0176-23608896

 

NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 50/17 | 3. MAI 2017

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Umwelt/Agrar

NABU: 258.708 Stimmen und über 600 Logos für faire und nachhaltige Landwirtschaft

Starke Beteiligung an EU-weiter Mobilisierung der Umweltverbände für eine Reform der Agrarpolitik

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Berlin/Brüssel – 258.708 Bürgerinnen und Bürger haben sich über eine Online-Aktion des NABU und anderer Umweltverbände aus ganz Europa an der Befragung der EU-Kommission zur Zukunft der EU-Agrarpolitik beteiligt und damit eine grundlegende Reform verlangt. Sie haben ein klares Statement für eine verantwortungsbewusste, faire, nachhaltige und gesunde Landwirtschaft an die EU-Kommission in Brüssel gesandt. Für die beteiligten deutschen Umweltverbände BUND, DNR, NABU und WWF ist die außergewöhnlich hohe Bürgerbeteiligung ein Erfolg. Innerhalb von nur vier Wochen sei es gelungen, EU-weit 258.708 Menschen in den öffentlichen Befragungsprozess der EU-Kommission einzubinden und diese für die Belange von Bäuerinnen und Bauern, Umwelt und Verbraucherinnen und Verbrauchern zu interessieren und zu mobilisieren.  Zudem gelang es, ein breites Bündnis aus insgesamt über 600 Unternehmen und Verbänden hinter ihrer Vision für eine bessere Agrarpolitik zu vereinen. Am 11. Mai werden die Logos dieser Unternehmen und Verbände und das Ergebnis der Online-Aktion an EU-Agrarkommissar Phil Hogan überreicht.

 

„Die EU-Agrarpolitik geht uns alle an. Es geht um Nahrung, Umwelt, Kulturlandschaft, Bauernhöfe und nicht zuletzt um Verteilungsgerechtigkeit sowie Zukunftssicherung. Es kann nicht sein, dass dieser Bereich nur innerhalb des Agrarsektors ausdiskutiert wird“, so die einhellige Forderung der Verbände.

 

NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „EU-Haushaltskommissar Günter Oettinger und sein Kollege Phil Hogan müssen jetzt auf die Stimmen aus der Gesellschaft hören und nicht nur auf die Besitzstandwahrer der Agrarindustrie. Mit einer mutigen Reform können sie nicht nur unsere ländlichen Räume retten, sondern auch das Vertrauen von Millionen Menschen in die EU stärken. Von einer giftfreieren und damit lebenswerteren Umwelt profitieren alle: Bienen und andere Insekten, Rebhuhn, Feldhamster und viele weitere Arten der Agrarlandschaft. Und nicht zuletzt profitieren auch alle Verbraucherinnen und Verbraucher, denen etwas an guten und fair produzierten Lebensmitteln liegt.“

 

Die 258.708 Teilnehmer der Online-Aktion fordern von EU-Agrarkommissar Phil Hogan einen drastischen Kurswechsel bei den milliardenschweren Agrarsubventionen, die immerhin 38 Prozent des EU-Haushalts ausmachen. Kritisiert wird, dass der Großteil der Fördergelder in pauschale, flächenbezogene Agrarsubventionen fließt und damit intensivere Produktionsmethoden besser gestellt werden –  zum Schaden von naturverträglich wirtschaftenden Landwirtinnen und Landwirten und der Umwelt. Eine neue Agrarpolitik ab 2020 müsse fair zu Bäuerinnen und Bauern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern sein. Sie sei ökologisch nachhaltig und global verantwortungsvoll auszurichten, daher brauche es eine gezielte Förderung von Leistungen, zum Beispiel im Naturschutz. Auch eine verbesserte Tierhaltung müsse unterstützt und aktiv vorangetrieben werden. Außerdem soll der Pestizid- und Düngemitteleinsatz verringert werden.

 

Im Februar startete die EU-Kommission eine öffentliche Befragung zur Agrarpolitik, die am 02. Mai offiziell beendet wurde.

 

Unter dem Motto „Aktion #LivingLand – Gib Dein JA für eine bessere Landwirtschaft“ hatte der NABU mit aufrüttelnden Motiven  vor dem dramatischen  „Ausverkauf“ der Landschaft, der Artenvielfalt und unserer Ernährungsgrundlagen gewarnt. Der Einsatz von Pestiziden in der industriellen Landwirtschaft ist mitverantwortlich für das alarmierende Insektensterben. Rückstände von Pestiziden landen zudem über Lebensmittel auf unseren Tellern. Ein Apfel wird im konventionellen Obstanbau beispielsweise durchschnittlich 32 Mal pro Jahr mit Pestiziden bespritzt. Der Mangel an Nahrung und Lebensraum  in der Agrarlandschaft ist für viele Arten bedrohlich. Besonders dramatisch ist diese Situation für das Rebhuhn. Seine Bestände sind in den letzten 25 Jahren um 94 Prozent zurück gegangen. Heute ist der ehemals typische Agrarvogel nahezu ausgerottet.

 

Hintergrundinformation zur NABU-Kampagne „Aktion #LivingLand Gib Dein JA für eine bessere Landwirtschaft“: www.NABU.de/abstimmen   

 

Mehr Informationen zur Position des NABU und seine Vorschläge für eine neue EU-Agrarpolitik: www.NABU.de/agrarreform2021

 

Kostenfreie Pressefotos: www.nabu.de/presse/pressebilder/index.html#Landwirtschaft 

 

Für Rückfragen:

Angelika Lischka, NABU-Agrarexpertin, Tel. +49(0)30.284.984.1627, E-Mail: Angelika.Lischka@NABU.de

 

 

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NABU HESSEN-PRESSEMITTEILUNG  |  NR 11/17  |  30. MÄRZ 2017

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Naturschutz/Kuckuck

 

Wann kommt der Kuckuck?

NABU Hessen ruft zur Meldung des ersten Kuckucks auf

 

Wetzlar – Mit den ersten warmen Tagen der letzten Wochen ist der Frühling in Hessen eingekehrt. Deshalb wird auch bald wieder einer der bekanntesten Frühlingsboten mit seinem unverwechselbaren Ruf zu hören sein: der Kuckuck. „Um mehr darüber zu erfahren, wie sich der Langstreckenzieher dem Klimawandel anpasst, ruft der NABU dazu auf, die ersten Kuckuckrufe im Frühling zu melden“, erläutert Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen, das Ziel der Aktion. Meldungen können direkt auf der Webseite www.kuckuck-hessen.de oder per Mail an Kuckuck@NABU-Hessen.de abgegeben werden.

 

Viele Frühlingsvögel treffen aufgrund der Klimaerwärmung immer zeitiger in Hessen ein. So sind die ersten Weißstörche in Südhessen bereits am Brüten. Auch die ersten Schwalben sind schon wieder da. Beim Kuckuck, der als Langstreckenzieher in Afrika überwintert, wird bislang angenommen, dass er seine Ankunftszeit noch nicht an den Klimawandel angepasst hat. Sein unverwechselbarer Ruf ist meist erst im Laufe des Aprils bei uns zu hören. Viele Wirtsvögel des Kuckucks wie z.B. Teichrohrsänger, Rotkehlchen, Hausrotschwanz, Zaunkönig und Bachstelze beginnen jedoch immer früher mit ihrer Brut. Wenn der Kuckuck hier eintrifft, sind die ersten Eier oft schon gelegt. „Für die Kuckucksweibchen wird es immer schwieriger, ihre Eier erfolgreich den zukünftigen ‚Zieheltern‘ unterzuschieben“, erläutert Eppler. Sie sind auf Wirte angewiesen, die ganz am Anfang ihrer Brut stehen, damit der junge Kuckuck möglichst als Erster schlüpft und noch die Eier oder Jungvögel seiner Zieheltern über den Nestrand schieben kann.

 

Mit der langfristig angelegten Aktion „Wann kommt der Kuckuck?“ möchte der NABU Hessen herausfinden, wie der Kuckuck auf die veränderten Lebensbedingungen durch den Klimawandel langfristig reagiert. Der Lebensraumverlust durch immer strukturärmere Landschaften wird künftig nicht sein einziges Problem sein. Um sich erfolgreich fortzupflanzen, ist es für den Kuckuck wichtig, sich genau auf das Brutgeschehen seiner Wirtsvögel abzustimmen. Dieses sensible Gefüge kann durch die Klimaerwärmung gestört werden.

 

Bei der letztjährigen Kuckuck-Aktion gab es erste Kuckuckrufe schon am 2. April bei Haiger, Dreieich und Eiterfeld. Der Höhepunkt der Meldungen lag in der zweiten Aprilhälfte. „Die meisten Kuckucke kamen wie üblich von Mitte April bis Anfang Mai nach Hessen zurück“, so der Biologe Eppler. Die Auswertung der Kuckuckrufe der letzten Jahre hat gezeigt, dass es dem Kuckuck grundsätzlich möglich ist, sich an den Klimawandel anzupassen. In allen hessischen Regionen waren schon in den ersten Apriltagen die typischen Balzrufe zu hören gewesen. Kuckucke, die früher nach Hessen zurückkehren, haben auf jeden Fall einen Vorteil. Erfreulich ist, dass der Kuckuck nach wie vor in ganz Hessen verbreitet ist.

 

Für Rückfragen:

Dr. Berthold Langenhorst

Pressesprecher

Tel.: 06441-67904-17

Mobil: 0170-8347614

 

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Dr. Berthold Langenhorst

Referent für Umweltkommunikation

 

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NABU HESSEN-PRESSEMITTEILUNG  |  NR 4/17  |  26. JANUAR 2017

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Naturschutz / Biber

 

Erster Biber im Kreis Marburg-Biedenkopf

NABU Hessen begrüßt Rückkehr des kräftigen Nagers an die Ohm

 

Wetzlar – Der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist um eine Tierart reicher: Zahlreiche Spuren an der Ohm zeugen von der Rückkehr des Bibers, berichtet der NABU Hessen. Angenagte Bäume und Biber-Rutschen am Ufer zeugen von der Aktivität des 1,20 Meter großen und rund 30 kg schweren Pflanzenfressers. „Ein großer Gewinn für die Natur“, freut sich Mark Harthun, Biologe und Biberexperte beim NABU Hessen. Durch den Bau von Biberdämmen, die Anlage von Biberseen, die Initiierung von Uferabbrüchen und Totholz schafft der Biber neue Strukturen im Auenbereich. Diese kommen vielen anderen Tieren zugute. So profitieren Fische, Libellen, Frösche und Kröten von den neu geschaffenen Teichen und Feuchtgebieten. Wasservögel oder der Schwarzstorch können hier Nahrung finden. In Uferabbrüchen nisten Eisvögel, in abgestorbenen Uferbäumen Spechte oder die Weidenmeise. Die Artenvielfalt in Biber-Lebensräumen nehme deutlich zu. Damit würden die Auen auch erlebnisreicher für den Menschen, so Harthun. „Der Biber renaturiert uns die Gewässer billiger als jede Firma, wenn man ihn nur lässt“, so Harthun.

 

Der Biber war lange Zeit in Hessen verschwunden. Die letzten Tiere gab es im Jahr 1596 in Stockstadt an der Gersprenz und 1684 an der Werra. In den Jahren 1987 und 1988 gab es eine Wiederansiedlung von 18 Tieren im hessischen Spessart. Daraus haben sich inzwischen über 700 Tiere entwickelt. 488 davon leben in Hessen (Stand 2015), vor allem an der Kinzig, der Fulda und in der Wetterau. Mit Spannung erwartet der NABU die Wiederbesiedlung von Westhessen. Bisher gibt es nur einen Biber bei Wetzlar. Nun hat auch an der Ohm ein Tier das Lahnsystem erreicht. „Vermutlich ist das Tier von der Schwalm her über Neustadt zugewandert“, so Harthun.

 

Verschwunden war der Biber nicht durch den Verlust seines Lebensraums, wie viele andere Arten. Entscheidend war die Bejagung. Man stellte dem Nager nach wegen seines weichen Fells, des Fleisches und einer Drüse mit „Bibergeil“, das aufgrund der enthaltenen Salizylsäure (ähnlich Aspirin) als Universalheilmittel eingesetzt wurde. Mit seinem geschuppten Schwanz galt er als „Fisch“ und wurde deshalb in der Fastenzeit gerne verzehrt.

 

Um die Rückkehr des Bibers zu unterstützen und seltene Tiere und Pflanzen der Auen besser zu schützen, fordert der NABU Hessen vom Land ein professionelles Bibermanagement. Wichtigster Teil dabei wäre ein Landesprogramm zur Einrichtung von Gewässer-Entwicklungsstreifen an den Fließgewässern. Solche ungenutzten Uferstreifen beugen nicht nur Konflikten mit dem Biber vor. Gleichzeitig dienen diese Uferstreifen dem Hochwasser- und Erosionsschutz. Sie puffern den Eintrag von Dünger und Spritzgiften ab und sorgen für sauberes Wasser. „Das wäre Hilfe zur Selbsthilfe“, so Harthun, weil sich die Gewässer dann weitgehend selbst, ohne große Bagger-Maßnahmen, wieder natürlich entwickeln können.

 

 

Für die Redaktionen

Gern stellen wir Ihnen das Belegfoto mit den Biberspuren an der Ohm in Hoher Auflösung zum kostenlosen Abdruck zur Verfügung. 

 

 

Für Rückfragen

Mark Harthun

Naturschutzreferent

Tel. 06441-67904-16

 

Für Rückfragen

Mark Harthun

Naturschutzreferent

Tel.: 06441-67904-16

Mobil: 0170-3652404

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Vogelschutz/Vogelgrippe

Vogelgrippe: NABU bemängelt Ursachenforschung zur Virenverbreitung

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Berlin - Der NABU warnt davor, sich bei der Bekämpfung der Vogelgrippe ausschließlich auf Wildvögel zu konzentrieren. "Die Ursachenforschung zur Ausbreitung der Geflügelpest darf nicht in eine Sackgasse geraten", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Während unbestritten sei, dass bei einem akuten Auftreten der Vogelgrippe unter Wildvögeln die Gefahr bestünde, dass Hausgeflügelhaltungen durch Wildvögel infiziert werden könnten, hieße das noch lange nicht, dass andere Infektionswege nicht möglich seien. "Gerade bei geschlossenen Massentierhaltungen ist ein Vireneintrag über den weltweiten Geflügelhandel und seine Stoffströme wahrscheinlicher als eine Infizierung durch Kontakt mit erkrankten Wildvögeln", so Miller.

 

Mit Sorge verfolgt der NABU daher die Berichterstattung über die Ursachenforschung bei der betroffenen Großmastanlage in Grumby in Schleswig-Holstein. "Dort werden anscheinend ausschließlich mögliche Kontakte zu Wildvögeln untersucht. Dringend zu untersuchen wäre aber auch, welche Handelsbeziehungen der Betrieb in der letzten Zeit hatte, wann und von wo zuletzt Eier und Geflügel zugekauft wurden, woher Futtermittel stammen, wie Abfallstoffe entsorgt wurden, wo Schlachtungen durchgeführt werden oder mit welchen Orten oder Betrieben Mitarbeiter oder Besucher zuletzt in Kontakt standen", sagte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Ohne eine mindestens gleichwertige Untersuchung der beiden denkbaren Vireneintragswege ließen sich kaum plausible Schlussfolgerungen ziehen.

 

Zudem sollten laut NABU alle Anstrengungen unternommen werden, die Quelle des aktuellen mitteleuropäischen Ausbruchsgeschehens ausfindig zu machen. Die zuletzt allgemein verbreitete Ansicht, dass das Virus über sibirische Zugvögel nach Deutschland gekommen ist, halten die Experten für wenig plausibel. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen verschwinden hochpathogene Vogelgrippe-Viren sehr schnell wieder aus Wildvogelpopulationen. Zwischen den Ausbrüchen von 2014 und heute konnten in ganz Europa keine dieser Viren bei Wildvögeln festgestellt werden. Wildvögel werden daher wahrscheinlich immer wieder neu aus der Geflügelwirtschaft angesteckt, wo sich das Virus nachweislich in Asien, aber auch in Ägypten, beständig hält.

Das gleichzeitige Auftreten zahlreicher erkrankter Reiherenten an drei Orten in Mitteleuropa lässt Ornithologen eher vermuten, dass es eine akute Ansteckungsquelle in Osteuropa gab, von der die Enten während der kurzen Inkubationszeit der Krankheit auf dem Weiterzug nach Westen die hiesigen Rastgebiete erreichten.

 

"Aufgrund der besonderen Betroffenheit der Reiherente, wäre z.B. ein mit Geflügelkot gedüngtes Fischteichgebiet - beliebte Rastgebiete dieser Art - denkbar, auch wenn diese Praxis zumeist verboten ist. Wäre das Virus dagegen bei sibirischen Zugvögeln weit verbreitet, hätte man höchstwahrscheinlich bereits über einen längeren Zeitraum an vielen verschiedenen Orten infizierte Wildvögel unterschiedlicher Arten finden müssen. Der Vogelzug aus dem Osten beginnt nicht erst im November", so Lachmann.

 

Sowohl zum Schutz der Geflügelwirtschaft als auch für das Wohl der Wildvögel fordert der NABU die zuständigen Behörden daher auf, sich bei der Ursachenforschung für die Verbreitung der Vogelgrippe nicht auf die Verbreitung durch Wildvögel zu beschränken. Für eine effiziente Seuchenbekämpfung müssten alle Optionen vorbehaltlos geprüft werden.

 

 

Für Rückfragen:

Lars Lachmann, Referent für Vogelschutz und Ornithologie, Tel. +49 (0)30.28 49 84-1620, Mobil 0172-9108275, E-Mail: Lars.Lachmann@NABU.de

 

Umwelt/Agrar

NABU: EU-Kommission verklagt Deutschland wegen unzureichendem Gewässerschutz

Tschimpke: Deutschland muss endlich aktiv werden

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Berlin/Brüssel – Diese Woche wurde bekannt, dass die EU-Kommission Deutschland wegen der unzureichenden Umsetzung der sogenannten Nitratrichtlinie vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Die Nitratrichtlinie soll unter anderem das Ausbringen von stickstoffhaltigen Düngemitteln auf landwirtschaftlichen Flächen begrenzen und wird in Deutschland vor allem durch die Düngeverordnung umgesetzt.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Die EU-Kommission macht nun endlich Nägel mit Köpfen und entlarvt die Verschleppungstaktik des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Obwohl sich die deutsche Landwirtschaftspolitik gerne als Vorreiter darstellt, ist ihre Umweltbilanz eindeutig negativ. Die EU-Agrarpolitik muss dringend nachhaltiger werden und umweltschädliche Subventionen beenden, wie der NABU und andere Umwelt- und Naturschutzverbände seit Jahren fordern.“

Bereits 2011 wies die Kommission Deutschland an, die Düngevorschriften aufgrund schlechter Gewässerqualität umfassend zu überarbeiten. Da die Nitratkonzentration im Grundwasser insgesamt jedoch zunahm, wurde 2013 ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. „Seitdem zögert die Bundesregierung, allen voran das Bundeslandwirtschaftsministerium, die Novelle der Düngeverordnung hinaus. Ob der kürzlich von der großen Koalition ausgehandelte Kompromiss ausreichen wird, um die Richtlinie endlich zu erfüllen, ist stark zu bezweifeln. Erneut fehlt darin beispielsweise eine verbindliche Hoftorbilanz für alle landwirtschaftlichen Betriebe“, so Tschimpke.

Aktuell laufen gegen Deutschland zwölf Vertragsverletzungsverfahren wegen nicht ordnungsgemäßer Umsetzung von Richtlinien im Umwelt- und Naturschutzbereich. Vier weitere Verfahren beziehen sich auf nicht fristgerechte Umsetzungen von Richtlinien.

 

Für Rückfragen:

Julia Mußbach, NABU-Referentin für Gewässerpolitik, Tel. +49 (0)30.28 49 84-1629, E-Mail: julia.mussbach@NABU.de 

Naturschutz / Wolf

 

Schnelle Eingreiftruppe für Schafe

NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf schult Herdenschutz-Helfer

 

Wetzlar – Zur Vorbereitung der Rückkehr von Wölfen nach Hessen hat die NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf eine Schulung für ehrenamtliche Herdenschützer im Nationalen Naturerbe „Weinberg Wetzlar“ veranstaltet. „Mit unserer ‚Schnellen Eingreiftruppe Herdenschutz‘ möchten wir Schafhalter dabei unterstützen, sich auf die Rückkehr des Wolfs nach Hessen optimal vorzubereiten“, erklärt Ausbildungsleiterin Isa Rössner. Die ehrenamtlich aktiven Herdenschützer helfen auf Anfrage von Schafhaltern beim fachgerechten Aufbau von Schutzzäunen gegen mögliche Wolfsübergriffe. Das vor einem Jahr ins Leben gerufene Projekt habe sich, so Rössner, mittlerweile zu einer wichtigen Plattform für den sachlichen Austausch zwischen Schäfern und Wolfsfreunden entwickelt. Deshalb nahmen neben interessierten Naturschützern auch Schafhalter an der Fortbildung teil. Da das NABU-Schutzgebiet „Weinberg Wetzlar“ von großen Schafherden beweidet und gepflegt wird, war auch der Wetzlarer NABU-Schutzgebietsbetreuer Bernhard Feth unter den Teilnehmern.

 

Zum Einstieg der Fortbildung beantwortete Projektleiterin Isa Rössner Fragen der sechzehn Teilnehmer zur Rückkehr des Wolfs nach Hessen, die für Schäfer und Schafhalter von besonderem Interesse sind. Im Mittelpunkt standen die Aspekte Nahrungsbedarf, Wiederkehr des Wolfs nach einem Jagderfolg, Anzahl jagender Wölfe pro Familie und typisches Verhalten an Schutzzäunen. Anschließend vermittelte die Schafhalterin und Biologin Dr. Eva Strese wichtige Grundlagen zum Herdenschutz mit Zäunen. Mit Hilfe eines Modells veranschaulichte die Referentin, wie ein elektrischer Herdenschutz-Zaun funktioniert und wie sich ein Überspringen oder Untergraben effektiv unterbinden lässt. Dieses Hintergrundwissen ist notwendig, um im Gelände Fehlerquellen erkennen und beheben zu können. Im Praxisteil der Fortbildung übten sich die Teilnehmer anschließend darin, unter fachkundiger Anleitung selbst einen wolfssicheren Zaun aufzustellen. „Viele Teilnehmer waren davon beeindruckt, was man beim Zaunbau alles berücksichtigen muss, um Wölfe von der Herde fernzuhalten“, so Rössner. Mit einem optimierten Herdenschutzzaun sei es aber möglich, den Schutz von Wölfen und Schafen weitgehend in Einklang zu bringen. Damit noch mehr Wolfsfreunde und Schafhalter für ein gedeihliches Auskommen von Wölfen und Schafen sorgen können, soll es im kommenden Jahr weitere Fortbildungen geben.

 

Hintergrund

Die Beweidung mit Schafen ist ein wichtiger Bestandteil von Pflegemaßnahmen im Naturschutz. Durch das Offenhalten von Wiesenlandschaften trägt sie viel dazu bei, seltene Tiere und Pflanzen dauerhaft zu erhalten. Mit dem Aufbau der „Schnellen Eingreiftruppe Herdenschutz“ hat sich die Landesarbeitsgruppe Wolf im NABU Hessen zum Ziel gesetzt, Schäfer bei ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen und ihre Tiere – soweit irgend möglich – gegen mögliche Wolfsübergriffe zu schützen. Dafür bildet sie ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus. Die Schulungen werden vom hessischen Umweltministerium finanziell unterstützt.

 

Foto

Fortbildungsleiterin Isa Rössner (zweite von rechts mit roter Kappe) mit Teilnehmern der Herdenschutzschulung im NABU-Schutzgebiet „Weinberg Wetzlar“

 

 

Für Rückfragen

Isa Rössner

NABU-LAG Wolf – Herden- und Nutztierschutz

Mobil: 0170-3557973

Mail: i.roessner@wolf-hessen.de

Naturschutz / Wald

 

Mehr Naturschutz im Wald

NABU-Landesvertreterversammlung fordert rechtliche Sicherung

 

Wetzlar – In einer einstimmig verabschiedeten Resolution fordert die Landesvertreter-Versammlung des NABU Hessen die Landesregierung dazu auf, mehr für den Schutz naturnaher Wälder zu tun. Die über einhundert Delegierten, die am Sonntag in Wetzlar tagten, setzen sich dafür ein, die nutzungsfreien Waldgebiete im Staatswald dauerhaft zu sichern. „Es kann nicht sein, dass das Umweltministerium Wälder aus der Nutzung nimmt, ohne ihren langfristigen Schutz gesetzlich klar zu verankern“, erklärt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen. Deshalb, so appelliert der NABU an Umweltministerin Priska Hinz, müssten alle nutzungsfreien Wälder über 100 Hektar Größe noch in dieser Legislaturperiode als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden.

 

Des Weiteren müsse die Umweltministerin nun alle wichtigen Schritte festlegen, um das Ziel der Hessischen Biodiversitätsstrategie, eine Naturwaldentwicklung auf 5 Prozent der Waldfläche zu ermöglichen, bis zum Jahr 2020 zu erreichen. Auch bei der Zertifizierung des Staatswaldes mit dem ökologischen FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) dürfe es keine weiteren Verzögerungen geben. „Wir erwarten, dass die Landesregierung die FSC-Zertifizierung bis zum Ende der Legislaturperiode abgeschlossen hat“, so Eppler. Bislang arbeitet erst die Hälfte der Forstämter nach dem international gültigen ökologischen Standard.

 

Besonders wichtig für den Schutz der biologischen Vielfalt im Wald sind zudem alte Bäume. Sie bieten vielen gefährdeten Tieren eine Heimat und können als „biologische Schatzinseln“ der Natur bezeichnet werden. Deshalb fordern die Landesdelegierten aus allen Teilen Hessen die Umweltministerin dazu auf, Altholzbestände besonders zu schützen. „Dafür muss die Ernte alter Bäume künftig über einen längeren Zeitraum gestreckt werden“, erläutert der Biologe Eppler. Wenn rechtlich gesichert wäre, dass innerhalb einer Bewirtschaftungsperiode von zehn Jahren nur 30 Prozent des Holzvorrates eines Bestandes gefällt werden, ließen sich alte Buchen- und Eichwälder auf Dauer erhalten.

 

Der vom Ministerium vorgesehene Ökopunktehandel im Staatswald ist für den NABU Hessen nicht hinnehmbar. Die Entwicklung von Naturwäldern dürfe nicht als Ausgleich für Naturzerstörung an anderer Stelle genutzt werden, so die NABU-Delegierten. „Für die Umweltministerin gibt es in den nächsten Monaten viel zu tun. Mensch und Natur werden es ihr danken“, so Eppler.

 

 

Für Rückfragen:

Berthold Langenhorst

Pressesprecher

Tel.: 06441-67904-17

Mobil: 0170-8347614

 

 

Umwelt/Vögel

Wieder Amselsterben durch Usutu-Virus

NABU ruft Bevölkerung zur Mithilfe auf

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Berlin – In Deutschland gibt es wieder ein Vogelsterben, das durch das tropische Usutu-Virus ausgelöst wird. Vor allem Amseln sind betroffen. NABU und Tropenmediziner bitten die Bevölkerung erneut um Mithilfe, erkrankte oder verendete Vögel über ein Online-Formular zu melden oder Proben toter Tiere zur Untersuchung an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg zu senden. 

 

Unter www.nabu.de/usutu-melden  können Beobachtungen toter Vögel gemeldet werden. Dort findet sich auch eine Anleitung zum Verschicken toter Tiere.

Erstmals wurde das nach einem südafrikanischen Fluss benannte tropische Virus 2010 in Stechmücken in Deutschland festgestellt. Es löste 2011 und 2012 in Deutschland erstmals ein Massensterben unter heimischen Vögeln, darunter vor allem Amseln, aus. Nach einigen Jahren ohne größere Ausbrüche, tritt das Virus nun in diesem Jahr wieder vermehrt auf.

 

Seit Ende Juli häufen sich beim NABU Meldungen kranker und kurze Zeit später verstorbener Amseln. Etwa 100 dieser Beobachtungen aus Deutschland sind bisher eingegangen. Die meisten Meldungen kranker und toter Amseln stammen aus den bereits zuvor betroffenen wärmebegünstigten Regionen Deutschlands entlang des gesamten Rheintals sowie am Untermain und am unteren Neckar. Weitere Verdachtsmeldungen erreichten den NABU aber auch aus bisher nicht betroffenen Regionen, z.B. aus dem Leipziger Raum und aus Berlin. Inzwischen konnten Forscher des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin für einige dieser Fälle bestätigen, dass das Usutu-Virus tatsächlich die Todesursache ist. Auch in Frankreich, Belgien und den östlichen Niederlanden wurde das Virus in diesem Jahr bereits in toten Vögeln nachgewiesen.

 

„Durch das Virus verursachte Todesfälle unter Vögeln treten jeweils während der Mückensaison von Mai bis November auf. Befallene Vögel wirken offensichtlich krank, werden apathisch und flüchten nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage. Fast immer sind es Amseln, bei denen diese Krankheit festgestellt wird, weshalb die Usutu-Epidemie auch als ‚Amselsterben‘ bekannt wurde“, sagte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann.  Allerdings werden auch andere Vogelarten von diesem Virus befallen und können auch daran sterben. Das Überwiegen der Amseln lässt sich zum Teil durch deren Häufigkeit und Nähe zum Menschen erklären, was die Wahrscheinlichkeit des Auffindens toter Amseln erhöht. Aber eine besondere Empfindlichkeit dieser Art gegenüber dem Virus ist ebenfalls möglich.

 

Das Virus ist für Menschen ungefährlich. In ganz Europa konnten bisher erst fünf Infektionen beim Menschen festgestellt werden, meist bei Personen mit vorgeschädigtem Immunsystem.

 

„Der Ausbruch dieses für Deutschland neuen Virus stellt eine einmalige Chance dar, die Ausbreitung und Folgen einer neuen Vogelkrankheit zu verfolgen und zu analysieren. Die wichtigste Datengrundlage dazu bilden Meldungen toter und kranker Amseln aus der Bevölkerung, sowie eingeschickte Proben toter Vögel, die auf das Virus untersucht werden können“, so Lachmann weiter. Der NABU arbeite daher mit den BNI-Wissenschaftlern daran, die Ausbreitung des Virus und seine Auswirkungen auf unsere Vogelwelt zu dokumentieren und zu verstehen, um diese neuartige Gefährdungsursache von Vogelarten auch im Vergleich mit anderen Gefährdungsursachen beurteilen zu können.

 

Hintergrund

Mit Hilfe einer Internet-Meldeaktion 2011 konnte der NABU den Verlauf des Ausbruchs 2011 gut dokumentieren und auswerten. Eine Auswertung der Daten aus den großen wissenschaftlichen Mitmach-Aktionen des NABU „Stunde der Wintervögel“ und „Stunde der Gartenvögel“, konnte nachweisen, dass die Amselbestände in den damals nachweislich vom Virus betroffenen 21 Landkreisen zwischen 2011 und 2012 merklich zurückgegangen sind und somit bei einem bundesweiten Gesamtbestand von rund acht Millionen Brutpaaren möglicherweise 300.000 Amseln dem Virus zum Opfer gefallen sein könnten.

 

Der weitere Verlauf des Auftretens von Usutu-Erkrankungen lässt sich schwer vorhersagen. Die Vermehrung und Verbreitung der Viren hängt vor allem von der Witterung in den Sommermonaten ab: je wärmer der Sommer umso mehr Viren, Stechmücken und infizierte Vögel sind zu erwarten. Andererseits geht man davon aus, dass die Vögel zunehmend individuell erworbene Resistenzen gegen dieses neue Virus entwickeln, so dass sich das Virus vermutlich räumlich weiter ausbreiten, aber nicht mehr zu so offensichtlichen Massensterben wie im Jahr 2011 führen wird. Stattdessen ist zu erwarten, dass es in den betroffenen Gebieten zu zyklisch wiederholten Ausbrüchen kommen wird, sobald eine Generation von Amseln mit erworbener Resistenz von der nächsten Amselgeneration abgelöst wird.

 

Mehr Infos:

www.nabu.de/usutu     

 

Für Rückfragen:

Lars Lachmann, NABU-Vogelschutzexperte, Mobil: +49 (0)172.9108275, E-Mail: Lars.Lachmann@NABU.de

 

 

 

 

NABU Workshop "Geflüchtete im Natur- und Umweltschutz" am 19.11.2016 in Kassel

 

Liebe NABU-Aktive,

 

hiermit möchten wir schon einmal aufmerksam machen auf den gemeinsamen Workshop von NABU Hessen und NABU Bundesverband zum Thema „Geflüchtete im Natur- und Umweltschutz“.

Der Workshop wird am 19. November 2016 in Kassel stattfinden und soll u.a. praktische Hinweise zum Umgang und den Herausforderungen bei der Arbeit mit Geflüchteten geben.

 

Weitere Informationen werden zu gegebener Zeit im NABU Hessen Newsletter erscheinen.

Ansprechpartnerin ist Julia Balz vom Bundesverband (Referentin Strategische Planung Umweltpolitik und Nachhaltigkeit; Tel.: 030/284984-1625; Julia.Balz@NABU.de).

 

 

An die NABU-Gruppen, die –Kreisverbände, den Landesvorstand und die LAGn

 

Liebe Freunde,

 

mehrere Jahre lang wurde der Naturschutz auf europäischer Ebene traktiert mit einem „FitnessCheck“ der Natura2000-Richtlinien. Dabei ist das Geld, welches in den europäischen Naturschutz fließt, „peanuts“ gegen die vielen Milliarden, die in die Agrarsubventionen fließen. Der NABU hat daher mit vielen anderen Verbänden eine kritische Beleuchtung der Agarsubventionen gefordert. Das aber wird von der Bundesregierung abgelehnt…:

 

https://blogs.nabu.de/naturschaetze-retten/capcheck/

 

Es geht also bei den FitnessChecks gar nicht wirklich um Effizienz-Analysen, sondern nur um einen Weg zum Abstellen unbequemer Regelungen.

 

 

 

Aktion 1000 Fledermaushäuser

NABU Hessen ruft zum Mitmachen bei Fledermausprojekt auf

 

Wetzlar – Bis zum Jahresende möchte der NABU Hessen das 1.000 Fledermausfreundliche Haus in Hessen auszeichnen. Deshalb ruft der Naturschutzverband nun alle Mitbürger dazu auf, den Kobolden der Nacht mit dem Anbringen von Sommer- und Winterquartieren aufzuhelfen und sich um eine Auszeichnung zu bewerben. Auch Gebäude, die bereits Fledermäuse beherbergen, können ausgezeichnet werden. „In den letzten Jahren haben wir schon über 900 Gebäude prämiert. Nun möchten wir die Tausendergrenze knacken“, erklärt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen. Egal ob privater Hausbesitzer, Kirchengemeinde, Stadtverwaltung oder Schlossverwalter: Alle hessischen Fledermausfans können sich an der NABU-Aktion "Fledermausfreundliches Haus“ beteiligen. Das 1.000 Fledermausfreundliche Haus soll von Hessens Umweltministerin Priska Hinz mit Plakette und Urkunde belobigt werden.

 

Der NABU zeichnet nicht nur Fledermausfreundliche Häuser aus, er berät auch interessierte Hausbesitzer bei Renovierungen und Hilfsmaßnahmen für die wendigen Nachtjäger. „Überall in Hessen gibt es NABU-Fledermausexperten, die vor Ort Unterstützung bieten, Rat bei Umbauarbeiten geben und Fledermausarten bestimmen“, so der Biologe Eppler. Der häufigste Untermieter auf Dachböden, hinter Dachschindeln und unter Verschalungen ist die Zwergfledermaus. Mit einer Körperlänge von bis zu fünf Zentimeter und einem Gewicht von nur fünf Gramm gehört sie zu den kleinsten heimischen Arten. Aber auch Mausohr, Langohr und Abendsegler sind an und in Gebäuden zu finden.

 

„Fledermäuse sind sehr angenehme Untermieter, machen keinen Lärm und richten keine Schäden an der Bausubstanz an. Lediglich kleine Hinterlassenschaften verraten ihre Anwesenheit am Haus. Diese gelten jedoch als hervorragender Pflanzendünger“, so Eppler. Fledermäuse bringen Hausbesitzern einige Vorteile. So vertilgen sie z.B. bis zu 4.000 Insekten pro Nacht und zeigen, wo das Lebensumfeld noch intakt ist. Das Anbringen von Fledermausquartieren ist auch bei Renovierungs-Arbeiten an Häusern problemlos durchführbar. Nur wenige Maßnahmen reichen schon aus, um dem faszinierenden Flugsäuger zu helfen.

 

Hintergrund

Mit der Aktion „Fledermausfreundliches Haus“ zeichnet der NABU Hessen Bürger und Einrichtungen aus, die sich für den Fledermausschutz einsetzen und an Ihren Gebäuden Quartiere für die Flugkünstler beherbergen. Da sich die natürlichen Lebensbedingungen – z.B. das Vorhandensein von Baumhöhlen – in den letzten Jahrzehnten drastisch verschlechtert haben, sind die Fledertiere auf Quartiere im menschlichen Umfeld angewiesen.

 

 

Bei Rückfragen:

Berthold Langenhorst

Pressesprecher

Tel.: 06441-67904-17

 

 

 

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